Passivhausstandard

Vor zwei Wochen durften wir mehrere Besucher empfangen und Ihnen das Haus zeigen. Viele Grüße an dieser Stelle!

Es ist mir aufgefallen, dass nicht jeder Bescheid weiß, was ein Passivhaus bedeutet.
Daher schulde ich Euch eine Erklärung.

Ein Passivhaus ist keine Baufirma. Es ist ein energetischer Standard des Hauses, ähnlich wie die Standards der KfW Bank 55, 40 oder 40+.
Mit dem kleinen Unterschied, dass ein Passivhaus komplexer geplant wird und viel bessere Werte erreicht.

Das Passivhaus wird vom Passivhaus Institut in Darmstadt definiert und weiter entwickelt.
Also, ein Passivhaus benötigt für die Heizung im Jahr bei üblicher Nutzung nicht mehr als etwa 1,5 Liter Öl oder 1,5 Kubikmeter Erdgas, also 15 kWh pro m2 Wohnfläche.
Es ist sozusagen 1,5 Liter Haus 😉

Zum Vergleich: ein Neubau nach gesetzlicher Vorschrift benötigt immer noch 5-8 Liter Öl je m2 Wohnfläche für die Heizung.
Dazu kommt noch der Energieverbrauch für Warmwasser, Elektrogeräten und die Beleuchtung.

Ich poste hier ein paar Bilder vom Passivhaus Institut, weil sie sehr verständlich die Grundlagen erklären.
mehr Informationen finden Sie auf der Webseite des Passivhaus Instituts:
www.passiv.de


© Passivhaus Institut

Ein klassisches Passivhaus verbraucht etwa 75% weniger Heizenergie als ein Standard Neubau. Es ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen alten Glühbirnen und neuen LEDs. Der energetische Standard ist höher als bei den KfW 55 und 40 Häuser.






© Passivhaus Institut

Es gibt drei Passivhausklassen. Ein Passivhaus mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach wird schnell zu einem Plusenergiehaus. Es erzeugt mehr Energie, als es verbraucht. Die Bilanz jedes Passivhauses wird VOR dem Bauen im PHPP Programm berechnet und energetisch optimiert. 




© Passivhaus Institut

Diese 5 Punkte bilden eine Grundlage für ein Passivhaus.



© Passivhaus Institut

Jedes Passivhaus muss luftdicht sein, um Zugerscheinungen, Wärmeverluste und Bauschäden zu vermeiden.


© Passivhaus Institut

Weil ein Passivhaus luftdicht ist, bekommt es eine Lüftungsanlage mit Filter und Wärmerückgewinnung. Eine gut geplante und eingebaute Lüftungsanlage ist ein Segen für die Bewohner. Ich habe bereits in einem Post mehr dazu geschrieben. Trotzdem dürfen Sie die Fenster jederzeit öffnen!



© Passivhaus Institut

Die Vorteile vom Passivhaus Standard:
  • niedrige laufende Betriebskosten
  • ein Passivhaus bietet den höchsten Komfort und Behaglichkeit von gleichmäßigen Temperaturen ohne Zugerscheinungen 
  • die Lüftungsanlage sorgt für hohe Luftqualität ohne Feuchtigkeit, Staub, Pollen und Insekten von draußen. Sie dürfen dennoch jederzeit die Fenster öffnen.
  • das Passivhaus speichert die Wärme, hat extrem niedrigen Heizbedarf. 
  • es heizt sich im Sommer nicht auf, wenn die Südfenster verschattet werden.
  • das Haus braucht nicht viel Technik. eine Lüftungsanlage und (heute meist) eine Wärmepumpe reichen vollkommen aus. Eine PV Anlage passt wunderbar dazu, ist aber keine Pflicht.
  • bei einer Wärmepumpe: kein Schornstein und kein Schornsteinfeger
  • dank der Lüftungsanlage und Wärmebrückenfreiheit (es gibt keine kalten Ecken zu Hause) ist das Haus frei vom Schimmel und Feuchtigkeit
  • die Bausubstanz hält länger und ist weniger sanierungsbedürftig
  • Ein Passivhaus kann aus Holz, in der Ständerbauweise oder als Massivhaus gebaut werden. Das entscheiden Sie!
  • Sie entscheiden mit welcher Baufirma Sie bauen wollen. Achtung! Ein Passivhaus erfordert viel mehr Sorgfalt bei der Planung und Ausführung. Fragen Sie nach Referenzen und Zertifikaten. Nicht jede Baufirma/Architekt kann oder will ein Passivhaus bauen. (Wir haben uns zum Glück für die richtige Baufirma entschieden. Wir-Leben-Haus hat viel Erfahrung mit dem Passivhaus Standard)
  • Sie entscheiden welche Wärmedämmung zum Einsatz kommt: die klassische oder die ökologische Variante
  • Es ist ein Standard der Zukunft. Sie müssen es nicht in ein paar Jahren wieder teuer sanieren.
  • höheres Wiederverkaufswert
  • leichter zu vermieten
  • gute ökologische Bilanz
Die Nachteile vom Passivhaus:
  • erfordert mehr Kenntnisse sowohl beim Planer als auch bei dem Bauunternehmen
  • die Baukosten sind ein wenig höher
  • kompakte Form wird bevorzugt
  • die Garage wird vom Haus getrennt
  • ein Kamin ist problematisch aber nicht unmöglich
  • die Fußbodenheizung wird nicht richtig warm wie im Standardhaus (weil das Haus wesentlich weniger Heizwärme benötigt)
  • man muss sich erst umgewöhnen, da sich das Haus deutlich vom Standardhaus unterscheidet
  • man merkt den Unterschied, wenn man bei Bekannten oder im Hotel übernachtet 😁





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